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  • »AerialTheShamen« ist der Autor dieses Themas

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Donnerstag, 3. Dezember 2020, 10:05

Latexpuppen: Pflegetips & Gesundheit

Da ich hier im Forum nichts passendes finde, habe ich mal ein winziges FAQ zur Latexpflege von Puppen und ähnlichem zusammengestellt.

Talkum sollte man gar nicht mehr verwenden. Der Stoff ist krebserregend, denn er enthält oft Asbeststaub und verursacht beim Einatmen Latexallergie, weil das Immunsystem das Mineralpuder nicht abbauen kann und dann anhaftende Latexprotein als vermeintlichen Feind einstuft. Stattdessen hilft Maisstärke als ungiftigstes Puder gegen Klebigkeit. Da es Feuchtigkeit aufnimmt und nass faulen kann, wäre in leicht feuchter Umgebungen Puder auf Zellulosebasis (z.B. Baumwollflocken) sicherer.

Latex bitte NIEMALS mit Mund aufpusten, da es durch Atemfeuchte und Mundkeime fault. Latex fressende Bakterien und Pilze leben überall in der Natur (kompostieren dort tote Pflanzen) und können z.B. durch Obst & Gemüse an den Zähnen haften. Dadurch begonnene Latexfäule lässt sich auch nicht durch Trocknen stoppen, da die Keime beim Verdauen des Latex ihr eigenes Wasser erzeugen. Fönhitze und Isopropanol können im Notall Keime töten. (Nicht unnötig desinfizieren, da es dem Material schadet.) Speichel enthält auch Säuren und Enzyme die es schädigen.

Hier ein paar eklige Eindrücke was Dauerfeuchte aus Hohlräumen von Latex so macht:

https://www.livescience.com/62139-rubber-ducky-bacteria.html
https://www.nytimes.com/2018/03/28/world…k-bacteria.html
https://www.youtube.com/watch?v=xl0WLkVzTHE

Es gibt auch andere Zersetzungen (Braunfäule/Latexkrebs), die besonders in transparentem Naturlatex vermutlich eine rein chemische Kettenreaktion sind und braune backige bis bröselig matschige Stellen hinterlassen. Anscheinend beginnen sie oft mit einem ölig feuchten Film an sich berührenden Stellen (oft in der Luftkammer), die wie ein flach wachsender Tumor immer weiter zusammenkleben und manchmal in braunen Sprenkeln wie auf einer Banane ausbreiten. Das Phänomen scheint ähnlich dem Zerfall von altem Zelluloid in Nitrofilmrollen durch selbstverstärkende Freisetzung von Säure zu entstehen. Da Latex zum Glück aus weniger gefährlichen Grundstoffen besteht und (anders als Zelluloid) nicht zu explosiver Selbstentzündung neigt, ist die Ursache leider viel weniger dokumentiert. Offenbar entsteht das durch falsche Zusammensetzung, denn z.B. Denber-Latex zersetzt sich (auch ungebraucht bei perfekter Aufbewahrung) grundsätzlich nach wenigen Jahren, während anderes Latex bei mir nach 30 Jahre intakt ist. Puder das entstehende Schwefelsäure neutralisiert und den Abstand vergrößert, sowie gelegentliche Frischluft (entfalten bzw. mehrfach aufpumpen) kann helfen dass die ätzende Substanz verdunstet oder oxidiert. Auch Füllstoffe in undurchsichtigem Latex scheinen es zu schützen - Farbstoffe hingegen nicht. Grade schwarzes Naturlatex zerfließt leicht zu einer pechartig fiesen Masse und hat mit schwarzem Industriegummi (Fahrradschlauch) nichts zu tun.

Starke Dehnung (z.B. groß aufblasen in 3.Bereich) scheint in anfälligen Sorten Braunfäule auszulösen. Besonders Dehnung bei Nässe wirkt extrem schädlich, darum kostbare Latexobjekte niemals mit Wasser füllen.

Statt Puder nutze ich meist Silikonöl. Zum Auftragen mit einem Stück PE-Folie tupfen (z.B. Folienhandschuh - Stofflappen sind untauglich, da sie das teure Zeug aufsaugen). Wg. Lungenschädlichkeit niemals Silikonölspray sondern eine Flasche verwenden. Da es sich verflüchtigen kann und keine Säure neutralisiert, wirkt in Luftkammern Puder dauerhafter (niemals Talkum nutzen, da ständig mit Luft austretender Staub hier besonders kritisch ist).

Alle Öle und Fette (auch deren Dämpfe/Geruch) außer Silikon lösen Latex zu einer backigen Masse auf und sind absolut zu vermeiden. Sachen wie fettige Handcremes, Lebensmittel und Körperflüssigkeiten (insb. Sperma, Urin, Blut, Kot, Haarfett) sind viel gefährlicher als andere Sachen und bei Kontakt sofort mit Spülmittel und viel Wasser abzuwaschen. Auch Schweiß und Tränen enthalten Fett, darum nie mit Rückständen wegpacken. Jede Minute zählt! Masken und Kopfhauben zersetzen sich besonders leicht durch Kopfhautfett und Spucke. Auch PVC-Weichmacher schaden bei langem Kontakt, darum Latex nie zusammen mit Weich-PVC aufbewahren. Besonders "PVC-Jelly" (TPE, billiges Silikonimitat in Weichspielzeug und billigen Sextoys wie Fleshlight) besteht zum Großteil aus Weichmacheröl, darum nicht in Latexpuppen verwenden und absolut niemals als Einsatz drin oder drauf liegen lassen, da sie Latex in kaugummiartigen Brei verwandeln. Auch Metalle (insb. mit Kupfer oder Silber) hinterlassen dunkle Flecken und zersetzen Latex, da sie mit Schwefel reagieren.

Latex zersetzt sich durch Ozon sowie der Kombination aus UV (Sonne, auch normales Tageslicht oder Leuchtstoffröhre) plus Sauerstoff, was gräulich wunde raue Stellen mit bitterem Geruch hinterlässt. Luftdicht verpackt in klaren PE/PP-Plastiktüten oder Kühlschrankdosen schadet Licht viel weniger, daher zum Ausstellen von Sammlungen etc. entweder Licht oder Luft vermeiden. (Z.B. an Gummihandschuhen im hellen Supermarkt entstehen graue Stellen immer nur unter Stanzlöchern der verschweißten Folientüte). Weil Latex durch Nässe fault, muss es für luftdichte Aufbewahrung absolut trocken sein (auch in Luftkammern, darum niemals per Mund aufpusten).

Zur Aufbewahrung Latex immer komplett trocknen lassen. Gelangte Feuchte in eine Luftkammer, diese zuerst durch mehrfaches Aufpumpen, warten und Ablassen der Luft trocknen. Punktbelastung unbedingt vermeiden, darum Latex zur Lagerung aufrollen, nicht knicken, insb. niemals überkreuz (an schon gefalteten Stellen quer dazu), da sonst Schwachstellen und Löcher entstehen. Latex lebt; es stirbt an Erschöpfung bei Dauerbelastung und reagiert dann wesentlich empfindlicher auf Licht und Substanzen, darum nie in stark gedehntem/aufgeblasenem Zustand lagern. Latex mag Zimmertemperatur. Hitze schadet (Vorsicht im Sommer im Kofferraum), doch auch zuviel Kälte kann (insb. schwarzes) Latex in Kältestarre versetzen, wodurch es lederig steif wird und leicht reißt. Zum Aufwecken mit warmem Haartrockner oder Wasser auf ca. Körpertemperatur erwärmen.

Wer etwas reparieren oder selbstbauen will. Vulkanisierlösung für Fahrradschlauch enthält oft Industrieabfall als Lösemittel mit giftigen PAK Dämpfen und hat als Langzeitausdünster in Latex für Körperkontakt und Atemmasken nichts verloren. Für ungiftiges und voll dehnbares Kleben von Latex die Kontaktflächen mit Isopropanol aufweichen (das ist nicht nur Reinigung) und beidseitig dünn mit Copydex Rubber Cement bestreichen. Warten bis der weiße Kleber komplett durchsichtig wird (ggf. mit abwechselnd warmem und kaltem Fön nachhelfen), erst danach exakt passgenau platziert sehr fest (mit Walze oder Glasflasche) anpressen. Vorsicht, dies ist ein latexbasierter Kontaktkleber, der sich nicht korrigieren lässt ohne die ganze Klebeschicht abzureißen. Die Klebeschicht muss so dünn wie möglich sein, sonst braucht die Trocknung statt 1 Stunde plötzlich Wochen. Wenn der Kleber nicht hält, Oberfläche kurz mit Aceton einweichen.
Signatur von »AerialTheShamen«

Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von »AerialTheShamen« (6. Dezember 2020, 06:52)


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latextrancer (03.12.2020), gayboy67de (06.12.2020)

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